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Mittwoch 19.11
Auf den Weg in die Arbeit erzählte der Wetterbericht was von "möglichen Föhn am Wochenende". Kurz danach ein Anruf beim Luftamt, ob ich denn meinen "reaktivierten" Schein noch bis zum Wochenende bekommen könnte, da ja Föhn kommt - "ja, wäre möglich". Abends noch zu Jürgen, unserem Berufsmeteorologen, ob es Föhn wird? - "ja, wäre möglich". "Samstag oder Sonntag?" - "is wurscht". Ich war zwar nicht so überzeugt, dass die nötigen Windgeschwindigkeiten zustande kommen, und auch die Windrichtung sah ziemlich westlich aus.
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Kurz nach dem Start
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Donnerstag 20.11
Anruf vom Luftamt, dass mein Antrag mit den F-Schlepps noch nicht da sind und ich daher meinen Schein nicht mehr bis zum Wochenende bekommen kann. Na ja, macht nichts, hinten im Twin sitzt man auch ganz gut.
Abends noch das Geschirr abgespült, und meine Frau noch gefragt was sie am "Familientag" am Wochenende machen will, und ach ja, dann könnte ich den anderen Tag ja vielleicht fliegen. "Ja, wäre möglich"
Andi noch angerufen, ob das mit seinem Spezl, dem Schlepppiloten und den "special towing conditions" klappt? "Ja, wäre möglich"
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Die Rauchfahnen bleiben durch die Inversion unten. Die Optik in den Bergen war nicht berauschend
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Freitag 21.11
Abends noch mit Andi telefoniert und ausgemacht, dass wir Samstag früh entscheiden, ob's was wird.
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Vorbei an der Hochplatte und dem Plansee
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Samstag 22.11
Wettermeldungen Zugspitze 54km/h Böen bis 94 km/h aus 200 Grad. Optik in den Bergen, eher bescheiden.
Trotzdem traf ich mich mit Andi am Platz um dort endgültig zu entscheiden, ob oder ob nicht.
Optik immer noch bescheiden. Zwischenzeitlich trafen wir unseren Vorstand, den wir nach seiner Meinung fragten. "Ja - wäre möglich, es stehen doch Rotorwolken", "aber keine Lentis?" "muss nicht sein, geht auch ohne". "Hmmmm" - die endgültige Entscheidung fiel nach dem Anruf bei Schlepppiloten, der nur heute Zeit hat. Also Twin III angehängt und von unserem Windenplatz nach Kaufbeuern gefahren.
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Zeit auszuklinken
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Die netten Segelflieger dort halfen uns den Twin zusammenzustecken. - vielen Dank nochmals. Da die Optik immer noch nicht berauschend war, sprachen wir mit einen erfahrenen Segelflieger; seine Meinung war: "Ja - wäre möglich, steht aber weit drinnen und wird nicht einfach."
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Das Wetterstein sah mit den Rotorwolken wenig einladend aus
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Nach zwölf Uhr hoben wir ab. Wie zu erwarten war -alles ruhig-. Andi überließ mir etwas den Twin, da er noch was trinken wollte "bevor es los ging". Kurz vor den Trauchgauer Bergen war Andi wieder "at the controls". - Alles ruhig - . Über den ersten Grat; - alles ruhig -. Nach meiner Meinung müsste über den zweiten Grat, spätestens in Mitte Graswangtal Turbulenz aufkommen. Andi fragte mich bereits was wir hier eigentlich machen, aber so genau konnte ich ihm das auch nicht sagen. - Kurzer Funkverkehr mit der Schleppmaschine dass wir noch weiter wollen. Dann nach dem Graswangtal war zwar -alles ruhig -, aber wir hatten im Schlepp 2 m/s saufen, das erste Anzeichen. Danach endlich Unruhe, wir warteten noch bis wir fast an einer Rotorwolke waren und klicken aus. Die Do 27 fiel nach links unten ins Tal und wir waren alleine.
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Im Lee dieses Bergkammes kondensierte die Feuchtigkeit zu Wolken
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Jetzt legte sich Andi mächtig ins Zeug; mit achten und kreisen versuchte er an der Rotorwolke Höhe zu gewinnen. Ich erinnerte mich an meine letzte Achterbahnfahrt. Ein paar hundert Meter höher konnten wir in den laminaren Bereich einsteigen. Allerdings war das Steigen schwach und auch unzuverlässig. In den vorhergehenden Kreisen konnte das GPS eine Windberechnung ausführen; 52 km/h aus 233 Grad. Wir hatten aber aufgrund von Lee-Bewölkung schon so erkannt, dass der Wind sehr weit auf West gedreht hatte. Einige Zeit saßen wir etwas unmotiviert in einem Höhenbereich von 200 Meter fest, indem wir immer wieder steigen und sanken. Ohne ersichtlichen Grund konnte nach ca. einer Stunde das erste Mal ordentlichen Höhengewinn verbucht werden. Mit dieser Höhe "grasten" wir genüsslich und ausgiebig das Gebiet zwischen Mieminger und Wetterstein ab. Bis auf die immer wieder auf und abbauenden Rotorwolken war das Steigen nicht gekennzeichnet. Obwohl die Atmosphäre feucht genug war bildeten sich keine Lentis. Über uns war ein Deckel aus Schichtbewölkung, der auch in Bereich der Aufwinde seine Struktur nicht veränderte. Alles in allem war die Situation nicht eindeutig.
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So gut gings nur einmal
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Als wir eigentlich schon langsam ans Heimfliegen dachten holte ich noch etwas weiter nach Osten aus. Nachdem das saufen einsetze drehte ich um und fand auf Anhieb noch mehr saufen. Ich verlagerte etwas nach Süden - saufen - dann nach Norden - saufen -. Südlich der Zuspitze standen Rotorwolken, die wir zielstrebig anflogen. Aufgrund des Gegenwindes konnten wir nicht richtig Strecke machen. Nach endlos langen Minuten waren wir wieder an der Zugspitze - und 900 Meter tiefer . Wir flogen weiter Richtung Reutte durch teilweise 7 m/s saufen. Andi prügelte den Twin bis 200 km/h um aus dem Abwinden rauszukommen. Unsere Stimmung sank mit der Höhe; längst hatte ich Reutte im GPS ausgewählt, obwohl jede Gleitwinkelberechung illusorisch war. Aber so wussten wir wenigstens die genaue Distanz zum Platz. Als mich Andi nach der Frequenz fragte hatte ich sie schon bereit. Wir wollten die Bedingung am Platz wissen, falls eine Landung nötig werden würde.
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Blick zum Alpenhauptkamm
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Reutte war die ganze Zeit mehr als sicher zu erreichen, aber ich gab keinen Deut mehr drauf nach Kaufbeuern zu kommen. Auf den letzten 35 km hatten wir knapp 2000 Höhenmeter verbraten - macht eine Gleitzahl unter 20.
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Wetterstein mit der Zugspitze (ganz rechts)
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Keine Antwort im Funk von Reutte. Ein paar Minuten später wussten wir auch warum; es war alles ausgestorben - offensichtlich fliegt bei diesem Wetter kein Mensch. Wir waren ungefähr in Grathöhe des Hahnenkamms und die Sinkwerte nahmen wieder vernünftige Werte an. Vor Reutte kurze Besprechung und wir nahmen Kurs auf Füssen; müsste ohne Probleme gehen. Auch in Füssen niemand am Funk.
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Wetterstein
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Über Füssen hatten wir dann noch ca. 1300 Meter auf Kaufbeuern. Viel mehr als ich erwartet habe. Es gab zwar immer wieder Abwinde aber nur noch etwas über 30 km waren zu fliegen. Ohne zu zögern flogen wir weiter Richtung Kaufbeuern. Wir bekamen zwar nochmals 2,5 m/s sinken, doch so 5- 8 km nördlich von Füssen flogen wir - endlich - in tote Luft ein. Als wir noch 1000m Höhe auf Kaufbeuern hatten waren nur noch ca. 25 km zu fliegen. Erst jetzt glaubte ich dass wir zurückkommen. Nach 3 ¾ Stunden klatschte Andi den Twin auf die Hartbahn. Der Föhn hatte uns die Zähne gezeigt.
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Die Berge wurden kleiner
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Der Forggensee beim Heimflug
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Blick zurück
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