Home Absaufen am Kellerjoch

Ort: Kellerjoch
Zeit: August 2003

Peter hatte seine nigelnagelneue B4 bereits einmal geflogen und wollte, jetzt am späteren Nachmittag noch einen Flug wagen. Da er keinen Hacken montiert hatte musste Manfred I sie werfen. Kurz danach, während meiner Startvorbereitungen, sah ich mal nach Peter's B4. Tief, so tief war er, dass er eigentlich sofort landen müsste um nicht heillos abzusaufen. Manfred I gab ihm den Rat etwas "nach vorne zu gehen" (um die mögliche Landestelle besser einsehen zu können). Peter blieb stehen, flog aber noch weiter ins Tal. Als erfolgreicher Drachenflieger (ehem. Weltmeisterschaftsteilnehmer) hat er bestimmt einen "Riecher" für Thermik. Allerdings war er als Modellflieger in den Bergen völlig unerfahren. Also nochmals der Rat etwas "nach vorne zu gehen". Nach nochmaligen verlagern ins Tal konnten wir ihn überzeugen, dass wir nicht sein Modell meinten, doch da war's zu spät. Peter's B4 kam zwar wieder etwas näher zu uns, jedoch versuchte er Thermik zu kreisen bis die B4 unseren Blicken entschwand. Die mögliche Landestelle war nur sehr grob auszumachen. Die Stimmung war auf dem Tiefpunkt.
Da das Vario sendete noch eine Höhe von - 748 Meter. Nach eingehenden Berechnungen einigten wir uns dass die B4 im Höhenbereich von ca. 50 - 70 Meter über dem Niveau der Talstation liegen müsste. Peter wollte das Modell suchen - die Stimmung war unter dem Tiefpunkt. Also mit der Sesselbahn runter. Ein Blick auf die Betriebszeiten der Bahn, und es war klar, falls wir die B4 nicht sofort finden würden, müssten wir zu Fuß wieder hochgehen. Die Stimmung war gaaanz weit unter dem Tiefpunkt. Trotzdem brachen wir zu viert auf. Schnell war ein Wahlspruch gefunden: "B4, B4, wir suchen die B4". Die Stimmung stieg.
Auf dem leicht ansteigenden Forstweg von der Talstation aus wurde die Suche begonnen. "B4, B4, wir suchen die B4". Peter versuchte anhand des Variosignals bzw. die Häufigkeit der "Achtungs" das Modell zu orten. Da Peter immer 10 Meter vor uns ging, und sich auch nicht einholen ließ, konnten wir das Signal nicht hören und latschen ihm einfach nach. "B4, B4, er zahlt bestimmt ein Bier". Nachdem wir offensichtlich schon viel zu weit waren wurde der Rückweg auf alternativen Wegen beschritten. Als Peter fest davon überzeugt war, "dort irgendwo muss sie liegen", fächerten wir uns auf, um das Unterholz zu durchkämmen. Leider hatte das nur den Erfolg, dass wir Peter kurzzeitig verloren. Bevor er wieder zu uns fand bemerkte Manfred II noch, dass wir Peters Frau den Verlust des Modells erklären könnten, aber wenn wir ohne Peter nach Hause kämen, gäbe es sicherlich Ärger. Nun ja, er kam ja wieder. Von weiteren Abstechern ins Unterholz nahmen wir nun Abstand.
Plötzlich meldete das Vario 5 Meter weniger. Hatte das Modell jemand gefunden? Dann -720 Meter. Fuhr jemand mit dem Modell die Seilbahn hoch? Konnte nicht sein, die war sicherlich schon zu. Vielleicht fuhr jemand mit einem Jeep hoch? -600 Meter - Hmmm? Dann -300 Meter mit etwas "spährischen" Gekratze. -100 Meter - geht das schnell hoch. Dann + 100 Meter - jetzt ist er mit dem Jeep übers Ziel hinausgeschossen. +500 Meter ?? +700, +1000. Jetzt gingen die Meinungen auseinander. Manfred II machte außerirdische Mächte dafür verantwortlich. Offensichtlich wollten sie sich unsere Technologie zueigen machen. Er hatte E.T. schwer in Verdacht. Manfred I dagegen meinte, dass nur einfach Scotty die B4 hochbiemte. Bei +3000 Meter verabschiedete sich das Signal, und wir konnten unsere Meinungsverschiedenheiten beilegen.
Wie zu erwarten war der Sessellift schon zu "B4, B4, jetzt sind wir wieder hier". Mein Vorschlag, vor dem Aufstieg noch in der nächsten Gaststätte ein Bier zu konsumieren wurde mehrheitlich angenommen. "B4, B4, wir trinken jetzt ein Bier". Dann begann der qualvolle Aufstieg. Eine Stunde später kamen wir, völlig dehydriert, oben wieder an. "B4, B4, wir wollen jetzt ein Bier".
Beim Abendessen kam ein Anruf aus dem Tal. Unglaublich, jemand fragte Peter ob er ein Flugzeug vermisse. Nach der Identifizierung war klar, dass es Peters B4 war. Ein Passant hatte den Absturz beobachtet und zu einem ortsansässigen Modellflieger gebracht. Eine Fläche war stark beschädigt, der Rest intakt. "B4, B4, der Peter zahlt das Bier". Den Rest des Abends versuchten wir nun eifrig unseren Flüssigkeitshaushalt wieder ins Lot zu bringen, mit dem Erfolg, dass am nächsten Tag keiner von uns wirklich fliegen wollte. Ach ja, die Landestelle lag ca.100 - 150 m tiefer als das Niveau der Talstation.

Februar 2004