Home ASW 28/18

Jürgen ist der Besitzer der 28. Er hat auch diesen Artikel geschrieben.

Hersteller Schmitt / Eigenbau
Maßstab 1:2,75

Spannweite

6,54m
Gewicht 13 kg

Streckung

27

Profil

HQ 2,5/12
Vorwort:
Rumpf nebst Haube samt Rahmen und anderen diversen Kleinteilen habe ich von einem Kollegen erstanden. Mehr als gut abgelagert schlummerten sie in einer Ecke seiner Werkstatt, bloß gut das GfK nicht rostet. Ursprünglich stammen die Teile von D. Schmitt aus Velbert und machen im Großen und Ganzen ein guten Eindruck. Bei genauerem Betrachten fällt allerdings eine gewisse Unebenheit der Rumpfoberfläche auf. Stört mich aber nicht im Geringsten.
Bau
Der Kabinenrahmen aus wird als erstes an den Rumpf angepasst. Wie üblich muss der Heißluftfön erhalten um die Sache passend zu gestalten. Entgegen der ASK 13 Haube war die der ASW von angenehmer Qualität. Die Anpassung an den Rumpf geht dank des gewählten Materials relativ unspektakulär über die Bühne. Butterweich lässt sich das verwendete Material schneiden. Die übliche Spalte zwischen Rumpf und Haube wurde mit Leichtspachtel ausgeglichen und verschliffen. Der beiliegende Instrumentenpilz gleich mit verarbeitet und die Instrumente, dem PC sei dank, auf Fotopapier ausgedruckt und angebracht.
Fahrwerk
Bei so einer Kiste muss natürlich ein Einziehfahrwerk eingebaut werden. Ein edles Teil von FEMA soll diesen Dienst übernehmen. Vorher musste aber noch die unendliche Geschichte der Fahrwerksklappen überdacht werden. Aus Schaden klug geworden wurde der entsprechende Teil des Rumpfes abgeformt und in der gewonnen Form die Klappen erstellt. Gleich noch ne Lage Kohlegewebe dazu und fertig ist die Sache. Nach Murphys Gesetz dürften die Dinger nie verloren gehen.

Nach langem Überlegen wie die Klappen funktionstüchtig gemacht werden, entschloss ich mich sie mit normalen Scharnieren zu bewegen. Über die Scharniere noch ne Lage Gewebe und es hält. Der altgediente Fahrradschlauch hat sowieso noch nie so richtig funktioniert. Zudem bekommen die Klappen ein eigenes Servo verpasst und werden mit einer Art V-Anlenkung betätigt.

Im Sender wird das Ganze noch programmiert und jetzt fahren erst die Klappen und danach das Fahrwerk, genau andersherum verschwindet das Fahrwerk wieder im Rumpf. Die Anlenkung mit dem Servo hat den Vorteil, dass sich die Klappen exakt einstellen lassen und wunderbar mit der Rumpfkontur abschließen. Das lästige Gefummel mit Federn, Gummis oder sonstigen Hilfsmitteln entfällt.

Flächen:
Zum Glück waren die Kerne schon geschnitten und mussten nur noch mit Abbachi tapeziert werden. Als Holm dient ein durchgehender, stehender Kiefervierkant der oben und unten 0,5mm Luft hat. In den entstandenen Spalt wurden Kohlerovings eingelegt. 160g Gewebe an den entscheidenden Stellen diagonal unter der Beplankung versteckt zusätzlich in den Bereich der Endleiste noch einige Kohlerovings um diese zu versteifen. Ist die Sache ausgehärtet könnte man mit den Flächen Holz spalten.

Nach dem Pressen wurden die 50cm Störklappen ausgeschnitten und alles verschliffen. Entgegen des Originals sind die Querruder kleiner gehalten, werden und mit Servos der gehobenen Klasse angetrieben. Die ursprüngliche Idee, die Flächen mit GfK zu überziehen wurde aus Faulheit verworfen und das Ganze mit Oracover bebügelt. Die Winglets werden mittels, vorne 4er, hinten 3er Stahldraht in Messinghülsen an die Randbögen gesteckt und ohne großen Schnickschnack mit Isolierband fixiert. Sie erhielten allerdings 0,5° Vorspur, soll heißen: Zieht man in der Profilsehne der Winglets eine Achse treffen sich diese irgendwann vor der Rumpfschnauze.

Leitwerk:
Die Faulheit hat sich gelegt und das Leitwerk wurde mit GfK überzogen und Lackiert. Rund 1,5° EWD sollen als Eckpfeiler dienen und müssten eigentlich klappen. Genau so wurde es auch angebaut. Den Schwerpunkt haben wir alle zusammen beim Hebauf des Modells ermittelt. Dazu diente uns eine hervorragende Konstruktion eines Kollegen. Mit seiner neuen Schwerpunktwaage konnte nichts mehr schief gehen.

Erstflug: Als Schleppmaschine diente eine Bellanca mit einem 62er. Dank des hervorragenden Schlepppiloten und eines Resonanzrohres sollte dies kein Problem werden. Was mir allerdings immer noch nicht so recht gefiel war das relativ schmale Leitwerk, und die gekürzten Querruder. Wird sich das Teil in der Luft halten oder ist beim Nachhauseweg mehr Platz im Auto???

Gas rein und los geht's, nach ca. 20 Metern ist die ASW 28 in der Luft und lässt sich brav hinter der Schleppmaschine halten. Nach einem kurzen aber kraftvollen Schlepp erfolgte das Ausklinken und mein Variometer, welches mich trotz gehobener Klasse nicht unbedingt überzeugt, meldete steigen. Die Flugeigenschaften überraschen mich aufs Angenehmste. Kaum zu glauben das da oben "6einhalbmeter" Flugzeug rumkurven. Wie ein Dreimetersegler lässt sich das Teil manövrieren und macht richtig Spaß. Obwohl sich an diesem Tag die Thermik nicht so richtig melden wollte, konnte mein Vario, trotz gefahrener Klappen, steigen vermelden. Bei der ersten Landung konnten diese dennoch beweisen das sie funktionieren und nicht nur Geldverschwendung waren. Die Querruder arbeiten, trotz meiner anfänglichen Bedenken, wie ich es mir vorgestellt habe.Das Höhenruder, obwohl wirklich sehr schmal, macht seinen Job, was will man mehr?

Mittlerweile hat die ASW 28 einige Flüge hinter sich gebracht. Einen Anfänger mit etwas Erfahrung könnte man dieses Flugzeug in die Hände geben. Das Kreisen in der Thermik geht wie von selbst, lediglich die Landeeinteilung erfordert noch etwas Konzentration. 13kg schieben nach dem Aufsetzen doch noch etwas an und schreien förmlich nach einer Radbremse. So richtig zur Geltung kommt der Flieger bei tiefen, schnellen Überflügen. Kaum vom Original zu unterscheiden rauscht die ASW 28 flott über den Platz und lässt sich nach einer weiten Kurve sanft auf dem Spornrad aufsetzen.

Fazit:
Gute 13 kg für einen Segler mit 6,54m Spannweite sind nicht viel. Insbesondere wenn man bedenkt, dass an unserem Lieblingshang 3 Meter Segler! Mit sage und schreibe 23 kg ihren Spaß haben.

Da in unserer Gegend die thermischen Gegebenheiten nicht immer der Brüller sind, wurde dieses Modell speziell für diese schwachen Verhältnisse ausgelegt. Dank des gewählten Profils überzeugt die ASW28/18 in ganzer Linie. Zum Herumbolzen ist sie allerdings nicht gedacht. Das verhindert alleine schon der relativ kurze 16mm Rundstahl. Das gewählte Profil HQ 2,5 kann für diese Gewichtsklasse als ideal bezeichnet werden.

Nicht überzeugt hat mich die Art und Weise meiner gewählten Anlenkung des Höhenruders. Wie beim großen Vorbild habe ich die Ruderblätter geteilt und mittels eines 3er U-förmigen Stahldrahtes verbunden. Durch akute Platznot wird die ganze Sache nur mit einem Servo angelenkt. Der Stahldraht verwindet sich unter Druck und macht die ganze Sache weich und lapprig (bayrischer Ausdruck für "müsste halten"). Dies wird wohl irgendwann mal durch einen vernünftigen Kohlevierkant ersetzt.

Juli 2003